Diagnostik  

 

Die Anamnese und die Erhebung des körperlichen Gesamtstatus haben Vorrang vor allen übrigen Befunden. Laborbefunde können die Verdachtsdiagnose bestätigen und das Ausmaß der Erkrankung quantifizieren. Bei Verdacht auf hochgradige Nahrungsmittelallergien des Sofort-Typs hat die schnellstmögliche allergologische Abklärung absoluten Vorrang, da schon der geringste Kontakt einen lebensbedrohlichen allergischen Schock auslösen kann.  Der Nachweis des Gesamt IgE - Wertes und Screeningsuntersuchung auf inhalative Allergien oder Nahrungsmittelallergien geben rasch zuverlässig Auskunft über die Höhe der Reaktionsbereitschaft.  Die weiterführend  Allergie-Diagnostik erfolgt entsprechend den evidenzbasierten Leitlinien der Forschungsgesellschaften durch serologische Untersuchungen, diagnostische Eliminationsdiäten, Prick- und Reibetest, diagnostische Eliminationsdiäten, sowie In vivo – Provokationen auf der Grundlage oligoallergener Basisdiäten. Letztere können nur im stationären Rahmen durchgeführt werden. Es werden Sofortreaktionen von verzögerten Reaktionen unterschieden, die unter Umständen erst nach Stunden auftreten.

 


Ärztliche Therapie

Das wichtigste Ziel der akutmedizinischen Versorgung ist die Sicherstellung der vitalen Funktionen und die Linderung quälender Missempfindungen und Schmerzen. Tägliche, ausführliche kinderärztliche Sprechstunden und der 24-stündige Bereitschaftsdienst sind obligat. Vorrang hat immer die sicherste und nachhaltig wirksamste medikamentöse Behandlung. Die Einbeziehung der Eltern in alle therapeutischen Überlegungen ist selbstverständlich. Den Eltern müssen Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt werden, die ihnen die nahtlose Fortsetzung der Versorgung ermöglichen. Dazu gehört auch die Einführung und Unterweisung in das Notfallmanagement. 

Die aufwendige Verlaufsdokumentation soll einen späteren Vergleich mit den Langzeitergebnissen konservativer Behandlungen ermöglichen. 

Behandlung der Haut und der Atemwege

Spezifische, das heißt exakt den aktuellen Bedarf angepasste, rein symptomatische Pflege und Behandlung vorzugsweise mit natürlichen, konservierungsstofffreien Zubereitungen unter Verzicht auf unterdrückende Wirkstoffe. Auch bei Kindern mit schwerster Ausprägung der atopischen Dermatitis werden keine tropische Glukokortikosteroide, beziehungsweise Calcineurininhibitoren (Pimecrolimus, Triclonimus),  Antihistaminika, Mastzellenstabilisatoren, antipruriginöse Medikamente (Bufexamac) oder Antibiotika  benötigt.

Bei obstruktiven Atembeschwerden ist vor allem die konsequente Beachtung der Flüssigkeitsbilanz bedeutsam. Sole-Inhalationen, Phytotherapie, Wickel, Atemtherapie, Klopfmassage und  Akupressur tragen zu einer erheblichen Einsparung nebenwirkungsreicher Medikamente, wie inhalativen Kortikosteroiden und bronchialerweiternden Medikamenten bei.

Komplementärmedizinische Verfahren

Bewährte, traditionsreiche Methoden, z. B.  naturwissenschaftlich-kritische Homöopathie, das heißt die Verwendung niedrig potenzierter Arzneimittel, Darmsanierungen, Probiotische Behandlungen und Nosoden werden bei eindeutiger Indikation und streng kontrolliert eingesetzt

Ernährungsmedizin

Die Ernährungsmedizin ist ein Schwerpunkt der Frührehabilitation.  Unser erklärtes Ziel ist es, das Kind möglichst schnell an eine völlig normale Ernährungsweise heranzuführen.  

Am Anfang steht die Ermittlung des Energie-, Flüssigkeits- und Nährstoffbedarfs. Auf der Grundlage der Ergebnisse der Allergiediagnostik und einer individuell ermittelten Basiskost, werden orale Provokationen durch.  Sollte die Basiskost nicht ausreichen, erhält das Kind vorübergehend zusätzlich ein Hydrolysat. Nahrungsmittelprovokationen können nur im stationären Rahmen unter ärztlicher Aufsicht  durchgeführt werden. Auf manche Nahrungsmittel reagieren die Kinder sofort, auf andere nach Stunden. Die Ergebnisse ermöglichen einen verträglichen und bilanzierten, Nahrungsaufbau im Rahmen individueller Ernährungspläne.  Die Mütter werden an der Herstellung der Therapiekost und an der Verabreichung der Mahlzeiten aktiv beteiligt. Eine Diplom Ökotrophologin steht ihnen ganz nach Bedarf beratend zur Seite. Abschließend erhalten die Eltern Rezepturen, ausführliche Quellennachweise über zusatzstoffarme Nahrungsmittel,  Hinweise  auf Lagerung und  Zubereitung, Hochgradige Nahrungsmittelallergien werden primär oral hyposensibilisiert.

Die oralen Hyposensibilisierungen werden zu Hause nach einem Plan mit zunehmenden Konzentrationen der Nahrunsmittellösungen fortgesetzt. Während dieser Zeit stehen die Eltern in Kontakt zur Klinik. Ein wöchentliches Protokoll dokumentiert den gesamten Verlauf, die Zusammensetzung der aktuellen Ernährung, den Kaloriengehalt, den Anteil des Hydrolysats, die Gewichtszunahme, das Verhalten, den Schlaf und sonstige Entwicklungsschritte.

 

Psychosomatische Medizin

Nicht nur Eltern fragen sich zunächst, welche Rolle kann die Psychosomatische Medizin bei der Erkrankung eines Säuglings spielen. Tatsächlich liegt hier ein weiterer, ebenso unverzichtbarer Schwerpunkt der Frührehabilitation. Am Anfang steht für die Eltern naturgemäß die Behandlung der  körperlichen Probleme im Vordergrund  und  es bedarf einiger geduldiger Gespräche,  bis sie  verstehen, dass sich  die Akutbehandlung  in dem Maß verkürzt,  wie es  ihnen gelingt, die oft völlig aus den Fugen geratenen familiären Rahmenbedingungen und den Umgang mit dem Kinder zu normalisieren, 

Im Mittelpunkt  dieser therapeutischen Anteils steht die psychotherapeutische Desensibilisierung. Die Kinder  erkranken  nicht durch Stress sondern an der ihnen antrainierte Forderungshaltung und  der Unfähigkeit, sich an neue, unvorhergesehene Situationen anzupassen. Es handelt sich um eine typische,   allgemeine  Hypersensitivität

Da sich die Eltern in den Wochen vor der stationären Aufnahme vor allem wegen schwerer Schlafstörungen oft völlig erschöpft haben, steht die Deeskalation und Krisenintervention am Anfang. Oft hat sich zwischen Mutter und Kind eine scheinbar unauflösbare, symbiotische Beziehung entwickelt. Daraus entwickelt sich eine schwere Schlafstörung  unter der sich die ganze Familie erschöpft.

 

Entsprechend der Schwere der psychosozialen Störung setzen wir die Gesprächstherapie und/oder die systemische Familientherapie ein. Die Eltern werden in die Entwicklungspsychologie eingeführt  und mit der operanten Konditionierung vertraut gemacht, das heißt, die Eltern lernen, gewünschtes Verhalten zu verstärken und unerwünschte Reaktionen zu ignorieren. Anfangs unter Anleitung, zunehmend aber immer selbstständiger zieht sich die Verhaltenstherapie wie eine roter Faden durch die gesamte Frührehabilitation. Die Vorbereitung auf die Entlassung schließt mit Klärung des Zeitmanagements der Strukturierung des bevorstehenden Alltags.