Therapieschwerpunkt:

Psychosomatische Medizin

 

Die von uns behandelten Kinder haben oft nicht nur die atopische Veranlagung der Eltern geerbt, sondern auch deren erhöhte Sensitivität. 

 

Diese äußert sich schon im Säuglingsalter durch eine erhöhte Wahrnehmungsfähigkeit, die auffällige Irritabilität, mit der Angst vor Fremden und dem ständigen Verlangen nach Zuwendung. Die Eltern betrachten das Verhalten als eine Folge oder Begleiterscheinung der Neurodermitis und geben den Wünschen Kinder oft bis zur völligen Selbstaufgabe nach.  Die Kinder entwickeln eine Anspruchshaltung, die mit den tatsächlichen Bedürfnissen nichts zu tun hat, es geht ihnen am Ende nur um die Durchsetzung gegenüber den Eltern. Der geringste Versuch, diese Zuwendung auf ein normales Maß zurückzuführen, scheitert am endlosen Schreien der Kinder. 

 

Dieses Verhalten beobachtet man häufig aber nicht immer.  Wenn sich die Eltern frühzeitig auf eine liebevolle aber klar grenzenziehende und die Selbstständigkeit des Kinder fördernde Erziehung einigen, kann sich auch ein schwer atopisch veranlagtes Kind relativ normal entwickeln. Andererseits kann ein nur leicht atopisch veranlagtes Kind unter dem Einfluss einer symbiotischen Eltern-Kind-Beziehung und eines permissiven Erziehungsstil, d.h einer nicht grenzenziehenden, überfürsorglichen und überprotektiven Erziehung eine hochgradige Irritabilität, schwere Schlafstörungen, unverhältnismäßig starke allergische Reaktionen und heftiger Juckreiz entwickeln.

 

Vor der verhaltenstherapeutischen Behandlung des Kindes steht die ausführliche Beratung der Eltern. Über biographische Anamnesen und testpsychologische Untersuchungen wird der voraussichtliche Behandlungsbedarf abgeklärt. Das Verständnis der Eltern für die Bedeutung der  Psychosomatik ist unverzichtbar. Nur auf dieser Grundlage ist eine vertrauensvolle, partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Eltern möglich. Neben den edukativen Aspekten, werden bewährte verhaltenstherapeutische Verfahren eingesetzt, die nur gemeinsam mit den Eltern durchführbar sind.  Die Verhaltenstherapie führt zu unübersehbaren positiven Veränderungen sowohl beim Kind als auch bei den Eltern. Wir können immer wieder beobachten, dass sich der Juckreiz-Kratz-Zyklus  mit der Besserung des Schlafrhythmus und der Eltern-Kind-Beziehung überraschend schnell auflöst und der dermatologische Behandlungsbedarf völlig in den Hintergrund tritt. 

 

Wichtige verhaltenstherapeutische Verfahren sind das Schlaftraining, die systematische psychische Desensibilisierung, der Abbau symbiotischer Eltern-Kind-Beziehungen und eines ängstlich-vermeidenden, überbehütenden Erziehungsstils, die Strukturierung der alltäglichen Abläufe, die Optimierung des Zeitmanagements und die Förderung der kindlichen Selbstständigkeit.