Kinderfachklinik Bellevue

Medizinisches Konzept

 

Bei dem hier dargestellten Konzept handelt es sich um eine beispielhafte, innovative, sektionen- und fachbereichsübergreifende Behandlungs- und Versorgungsform der atopischen Dermatitis. Das Konzept ist nahtlos auf die anderen Erkrankungen des atopischen Formenkreises übertragbar.

 

Behandlungskonzepte, die von den bisherigen Empfehlungen der medizinischen Lehre und Forschung abweichen, werden oft in Rahmen von Studien durchgeführt. Die Ergebnisse werden nach ein bis zwei Jahren mit den Ergebnissen der bisherigen Behandlungskonzepte verglichen. Gelten die besseren Behandlungsergebnisse als wissenschaftlich bewiesen, sollten die aktuellen Therapieempfehlungen angeglichen werden. Auf dieser Grundlage werden Fortschritte in der Medizin erzielt. Das vorliegende Konzept baut auf aktuellen Forschungsergebnissen auf.

 

Das Behandlungskonzept geht von einem veränderten Erklärungsansatz aus. Unsere mehrjährige exemplarische Studie mit Neurodermitis-kranken Kindern und deren Eltern haben abweichend von den bisherigen Forschungsergebnissen der Fachgesellschaften erste, hochsignifikante Hinweise auf ein Persönlichkeitsmerkmal atopisch veranlagter Persönlichkeiten ergeben – die erhöhte „sensory processsing sensitivity“ (siehe „Forschung“)

 

Die atopische Dermatitis entsteht wahrscheinlich nicht, wie bisher angenommen, aufgrund einer Überempfindlichkeit der Haut und der Schleimhäute, sondern im Bereich der zentralnervösen Verarbeitung der sensorischen Wahrnehmungen. Die erhöhte sensorische Verarbeitungssensitivität, eigentlich eine Gabe, wird dann zum Risikofaktor, wenn sie dauerhaft durch die Lebensweise, d. h. vordergründig harmlos erscheinende, alltägliche negative Reize, wie Zeitmangel, Leistungsdruck, Lärm, mediale Überreizung oder die alltägliche soziale Ungerechtigkeit überstimuliert wird. Die Empfindlichkeit und die neurovegetative Erregbarkeit nehmen zu und können zur Entwicklung der Atopie beitragen.

 

 

Die AWMF S 2 Leitlinie Neurodermitis 2016 baut wie alle vorangegangenen Therapieempfehlungen auf zwei Säulen auf, der Vermeidung vermeintlicher Störfaktoren und der symptomatischen, medikamentösen Behandlung. Das bio-psycho-soziale, medizinische Konzept der Institutionsklinik Fehmarn setzt auf drei Therapieschwerpunkte:  die Psychosomatische Medizin, die Ernährungsmedizin und die Dermatologie. Dabei geht es nicht um die Vermeidung, sondern um die aktive Auseinandersetzung mit der Überempfindlichkeit sowohl auf der psychomentalen, wie der immunologischen Ebene. Die nicht – medikamentöse psychische und immunologische Desensibilisierung erübrigt die symptomatische medikamentöse Behandlung mit nebenwirkungsreichen Wirkstoffen. 

 

Die Versorgung eines chronisch kranken Kindes erfordert vor allem die psychische Stabilität und die Selbständigkeit der Eltern. Umso früher die Eltern im Rahmen der Frührehabilitation umfassend aufgeklärt, beraten, geschult und auch in die akutmedizinischen Maßnahmen einbezogen werden, umso weniger werden sie später auf die Inanspruchnahme medizinischer Versorgungseinrichtungen angewiesen sein.