Liam (2)

Nahrungsmittelallergie und atopische Deramatis

 

Liam ist heute 15 Monate alt und das erste Kind einer 38-jährigen Mathematikerin. Im 4. Lebensmonat hatten sich stark schuppende Rötungen am Kopf entwickelt, die zunächst als Milchschorf gedeutet  wurden. Die Hautentzündungen breiteten sich ab dem 6. Lebensmonat rasch über den ganzen Körper aus. Wie in diesem Lebensalter typisch, waren vor allem die konvexen Körperstellen, zum Beispiel die Stirn, die Wangen, das Kinn und die Streckseiten der Extremitäten betroffen.  Zu diesen stark geröteten, nässenden und blutig gekratzten Flächen bildeten sich am ganzen Körper scharf begrenzte, stark schuppende Rundherde mit einem Durchmesser von 2 bis 5 cm. Liam war extrem unruhig, weinte viel und beruhigte sich nur mit Körperkontakt zur Mutter. Die ambulante allergologische Untersuchung hatte eine mäßig Empfindlichkeit gegen Hühnerei und Kuhmilch ergeben. 

 

 

Im 12. Lebensmonat wurde Liam bei uns stationär aufgenommen. Zu dieser Zeit war das Kind schwer beeinträchtigt und litt unter der schwersten Form einer so genannten atopischen Dermatitis. Liam war kaum von der Mutter zu trennen. Wir fanden ein extrem erhöhten Gesamt –IgE, das mit  > 3000 kU/l (Normalwert 12 KU/l) oberhalb der Grenze des Messbaren lag.

 

Obwohl es sich im Fall von Liam um die schwerste Form des atopischen Ekzems handelte, konnten wir auf  die Behandlung  mit kortison- oder antibiotikahaltigen Medikamenten und Antiallergika verzichten. Im Mittelpunkt unserer systemischen Hyposensibilierung standen das konsequente Abstillen, die Austestung verträglicher Nahrungsmittel auf der Grundlage einer verträglichen Basisdiät und einer oligoantigenen Fertignahrung. Unser Ziel war der Aufbau einer bedarfsgerechten, bilanzierten Rotationsdiät, die in überschaubarem zeitlichen Rahmen in eine völlig normale Ernährung übergehen sollte.  

Ein weiterer Schwerpunkt lag im Bereich der Psychotherapie und der Ordnungstherapie. Im Mittelpunkt standen hier die Trennung der Schlafplätze von Mutter und Kind, das Schlaftraining und die Strukturierung der alltäglichen Abläufe und das Disease-Management.  

 

Unter diesen Voraussetzungen beschränkte sich die Akutbehandlung der Haut auf die symptomorientierte Basispflege, physikalische Anwendungen, bakteriostatische Maßnahmen und den Einsatz immunstimulierende Nosoden. Gegen die wichtigsten Nahrungsmittelallergien setzten wir die orale Hyposensibilisierung ein, die über mindestens ein halbes Jahr durchgeführt wird. Inzwischen schläft Liam nachts ohne Unterbrechungen im eigenen Bett und wird bedarfsgerecht ernährt. Das Hautbild hat sich schon nach 2 Monaten deutlich gebessert. Der Junge entwickelt sich inzwischen völlig normal.

 

Im Rahmen wöchentlicher, detaillierter Verlaufsprotokolle, steuern wir derzeit die ambulante Behandlung aus der Entfernung. Liam hat sich auf diesem Wege in jeder Hinsicht erfreulich stabilisiert. 


 

In einem halben Jahr werden allergologische Verlaufskontrollen durchgeführt. Neben serologischen Untersuchungen werden alle kritischen Nahrungsmittel, die bislang nicht toleriert wurden, auf Verträglichkeit überprüft und in die Rotationsdiät eingeführt. Nach unseren bisherigen Erfahrungen können die Kinder nach einem weiteren halben Jahr völlig normal ernährt werden.

 

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Kalorienrechner Protokoll, 3. Woche
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