Jakob (5)

Nahrungsmittelallergie und atopische Deramatis

Jakob ist heute 3 Jahre alt und das einzige Kind einer 33-jährigen Wissenschaftlichen Assistentin. Beide Eltern haben eine atopische Vorgeschichte. Aus einem vermeintlichen Milchschorf entwickelten sich im 4. Lebensmonat stark juckende, entzündliche Hauterscheinungen, die sich rasch über den Kopf, Hals und die Extremitäten ausbreiteten. Während dieser Zeit wurde Jakob voll gestillt, der Versuch des Nahrungsaufbaus scheiterte.  

Wegen zunehmender Somnolenz, anhaltenden Durchfällen und Hinweisen auf eitrige Infektion des Ekzems, wurde der Säugling im 8. Lebensmonat in einer Universitätsklinik stationär aufgenommen. Dort wurde eine hochgradige Allergie mit einem Gesamt IgE von 

3 698 IU/ml (Normalwert bis 12 kU/ml)  sowie ein akuter Eiweißmangel festgestellt. Nach einer mehrtägigen Infusionsbehandlung erhielt Jakob eine allergenarme Babynahrung. Die eitrige Infektion der Haut wurde zunächst über die Infusion, später oral  antibiotisch behandelt. Gegen das Ekzem wurden kortisonhaltige Salben eingesetzt. Den Juckreiz unterdrückte man mit verschiedenen Antiallergika. Nach der Entlassung sollte die bisherige Therapie fortgesetzt werden. Außerdem wurde den Eltern die ambulante Ernährungsberatung angeboten. Diese Vorgehensweise lehnten die Eltern ab.


Zum Zeitpunkt der stationären Aufnahme in unsere Klinik, litt Jakob unter einer besonders schweren Form der Neurodermitis. Der Kopf, der gesamte Rumpf, Arme und Beine wiesen große, geschwollene, gerötete, schuppige und mehrheitlich nässende Flächen auf. Die Wangen, die Ohren und die Handgelenke waren mit dicken Krusten bedeckt.

Außerdem fanden sich über die bekannten Allergien hinaus eine Vielzahl weiterer spezifischer Sensibilisierungen gegen Nahrungsmittel und gegen Substanzen, die über die Atemwege aufgenommen werden. 

Wegen der zahlreichen Nahrungsmittelallergien rieten wir zum sofortigen Abstillen. Auf der Grundlage der verträglichen Nahrungsmittel und einer oligoantigenen Fertignahrung führten wir Nahrungsmittelprovokationen durch. Ziel war der Aufbau einer bedarfsgerechten und verträglichen Rotationsdiät. Gegen die Kuhmilchallergie starteten wir die orale Hyposensibilisierung.

Wie in den meisten ähnlich gelagerten Fällen, waren die Eltern aufgrund des wochenlangen Schlafdefizits und der Sorge um das Kind psychisch völlig erschöpft. Ein Schwerpunkt der Behandlung bestand deshalb in der psychotherapeutischen Stabilisierung der Familie.  Die Trennung der Schlafplätze von Mutter und Kind, die klare Strukturierung der zeitlichen Abläufe, das Schlaftraining und die Normalisierung der Eltern-Kind-Beziehung waren der Schlüssel zum Behandlungserfolg.  

Die Akutbehandlung der Haut beschränkte sich auf die symptomorientierte Basispflege, physikalische Anwendungen, bakteriostatische Maßnahmen und den Einsatz immunstimulierende Nosoden. Auf  die Behandlung mit kortison- oder antibiotikahaltigen Medikamenten und Antiallergika konnten wir verzichten.

  

Jakob wurde nach 3 Wochen in deutlich besserem Allgemeinzustand entlassen. Das Kind schlief regelmäßig 10 bis 11 Stunden im eigenen Bett. 50% des Nährstoffbedarfs konnten über natürliche Nahrungsmittel gedeckt werden. 5 Monate nach Beginn der Behandlung konnte Jakob in den Kindergarten aufgenommen werden, so dass die Mutter wie geplant ihrem Beruf nachgehen konnte. 


Ein halbes Jahr später konnte Jakob problemlos ein Glas Milch trinken. 


Im 2. Lebensjahr testeten wir 15 weitere, bis dahin unverträgliche Nahrungsmittel. Der Anteil des Hydrolysats konnte deutlich zurückgeführt werden.  Jakob entwickelt sich inzwischen völlig normal.