Ellena (3)

Nahrungsmittelallergie und atopische Deramatis

Ellena ist heute 2 Jahre alt und das zweite Kind einer 32-jährigen Krankenschwester. Beide Eltern haben eine atopische Vorgeschichte. Aus einem vermeintlichen Milchschorf, entwickelt sich im 4. Lebensmonat entzündliche Hauterscheinungen mit heftigem Juckreiz. Die Mutter ernährte sich bewusst gesund, trug das Kind zur Beruhigung den ganzen Tag am Körper und stillte auch nachts nahezu stündlich. Trotzdem lag das Körpergewicht der Kleinen im 7 Lebensmonat weit unter dem Altersdurchschnitt. Da die ärztlichen  Behandlungsversuche auch mit topischen Kortikosteroiden zu keiner Besserung führten und sich der Allgemeinzustand des Kindes zusehends verschlechterte, war die Krankenhauseinweisung angezeigt. Niemand ahnte zu dieser Zeit, dass Ellena unter der schwersten Form einer Nahrungsmittelallergie litt.


Im 7. Lebensmonat wurde Ellena bei uns stationär aufgenommen. Der Säugling wog bei  der Aufnahme 5710 g  (Normalgewicht 7000 g) und befand sich in einem äußerst bedrohlichem Allgemeinzustand. Alles deutete  auf ein erhebliches Flüssigkeitsdefizit mit Eiweißmangel hin. Ellena litt zu dieser Zeit unter generalisierten, nässenden und eitigen  Hautentzündungen. Unsere Laboruntersuchungen ergaben  hochgradige Allergien gegen nahezu alle, für den Nahrungsaufbau essentiellen Nahrungsmittel.


Ellena litt unter der schwersten Form einer Nahrungsmittelallergie. Bei 80 % der getesteten 70 Nahrungsmittel, vor allem bei den, für den Nahrungsaufbau eines Säuglings essentiellen Nahrungsmittel fanden wir stark erhöhte spezifische IgE – Werte.

Das sofortige, konsequente Abstillen war unvermeidbar. Auf der Grundlage der wenigen verträglichen Nahrungsmittel und einer oligoantigenen Fertignahrung führten wir Provokationen mit den Nahrungsmitteln der niedrigsten RAST-Klassen durch. Ziel war der Aufbau einer bedarfsgerechten und verträglichen Rotationsdiät. Dabei zeigte sich, dass selbst Nahrungsmittel, deren spezifischer IgE-Werte unterhalb des Normwertes von 35 kU/l lagen, nicht vertragen wurden. Die Entwicklung eines verträglichen Rotationsplanes gestaltete sich deshalb außerordentlich schwierig, weil das Kind bei Belastung sofort erbrach und schließlich eine relativen Verschluss des Magenpförtner (Magenausgang) entwickelte. Gegen die wichtigsten Nahrungsmittelallergien, zum Beispiel die Kuhmilch, setzten wir die orale Hyposensibilisierung ein, die über mindestens ein halbes Jahr durchgeführt wird. 


Neben der ernährungsmedizinischen Behandlung, bemühten wir uns  um die Trennung der Schlafplätze von Mutter und Kind als unverzichtbare Voraussetzung für das Schlaftraining. Wichtige Themen waren die Normalisierung der Mutter-Kind-Beziehung und die klare Strukturierung der alltäglichen Abläufe. 


Bei der Akutbehandlung der Haut konnten wir uns auf die symptomorientierte Basispflege, physikalische Anwendungen, bakteriostatische Maßnahmen und den Einsatz immunstimulierende Nosoden beschränken. Der Einsatz kortison- oder antibiotikahaltigen Medikamenten und Antiallergika erübrigte sich.


Im Verlauf der vierwöchigen stationären Behandlung beruhigte sich das Kind. Das Erbrechen ließ nach und die Schlafphasen normalisierten sich. Ellena nahm während der stationären Akutbehandlung mehr als 1 kg Körpergewicht zu. Der Anteil des  Hydrolysats an der gesamten Energiezufuhr betrug allerdings noch ca 60 %. Wir leiteten deshalb auch die orale Hyposensibilisierung gegen die Getreideunverträglichkeit ein.


Nach der Entlassung erhielten wir wöchentliche, detaillierte Verlaufsprotokolle, die uns eine bedarfsgerechte Nachsorge ermöglichten. Vier Monate nach Beginn der Behandlung war Ellena erscheinungsfrei. Während der darauf folgenden 12 Monate entwickelte sich das Kind außergewöhnlich gut. Das Gesamt-IgE, anfänglich 3540  kU/l  war auf 707  kU/l gesunken. Unter stationären Bedingungen testeten wir jetzt Nahrungsmittel der RAST –Klassen 2 bis 6. Ausgenommen Eiklar, wogegen Ellena nicht hyposensibilisiert worden war, verliefen alle Provokationen negativ. Selbst die Getreide, gegen die höchste sepzifische IgE-Werte nachgewiesen worden waren, wurden jetzt vertragen. Das Hydrolysat konnte abgesetzt werden. Gegen Eiklar wurde eine orale Hyposensibilisierung eingeleitet. Wir können davon ausgehen, dass Ellena dauerhaft beschwerdefrei sein wird und zukünftig völlig normal ernährt werden kann.


Ellena ist inzwischen dauerhaft beschwerdefrei, kann schon heute nahezu ohne Einschränkungen ernährt werden und entwickelt sich völlig normal. In vielen Bereichen übertrifft sie sogar die altersentsprechenden Erwartungen. 


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Wochenplan
Wochenplan Ellena 12.08.-18.08.2013.xlsx
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