Carolina (9)

Atopiesyndrom mit atopischer Dermatitis und Asthma bronchiale, Infektanfälligkeit, Z. n. Nephrotischem Syndrom

Carolina (9) ist das einzige Kind eines Lehrerehepaares. Mütterlicherseits besteht eine familiäre atopische Belastung. Seit dem 2. Lebensjahr litt Carolina häufig unter obstruktiven Bronchitiden und Pneumonien, die auch zu Krankenhauseinweisungen führten. 

 

Zweieinhalbjährig erkrankte das Mädchen an einem Nephrotischen Syndrom, weswegen sie auch mehrfach stationär behandelt werden musste. Nach einer dreimonatigen Kortisontherapie wurde das Mädchen 2 Jahre immunsuppressiv mit Cellsept behandelt. 

 

Während dieser Zeit traten die obstruktiven Bronchitiden deutlich seltener auf. Gleichzeitig entwickelte sich aber eine atopische Dermatitis, die überwiegend komplementärmedizinisch mit Mikroimmuntherapie, bzw. klassisch homöopathisch behandelt wurde. Nachhaltige Besserung wurde allerdings nicht erzielt. Da die Häufigkeit und Schwere der Ekzemschübe zunahmen, wurde Carolina im Herbst 2014 in einer Klinikambulanz vorgestellt, wo man erstmals von einem Atopiesndrom mit Atopischer Deramatitis, Asthma bronbchiale und Nahrungsmittelallergien ausging. Unter dieser Verdachtsdiagnose wurde das Mädchen wenig später bei uns stationär aufgenommen.

 

Wir sahen am 18.10.14 eine altersentsprechend entwickelte Neunjährige in gutem Allgemein- und Ernährungszustand. Die beide Ellenbeugen waren gerötet und wiesen auch akute Exkoriationen auf. Über beiden Lungen hörte man ein diskretes endexpiratorisches Giemen. Der übrige körperliche Untersuchungsbefund war unauffällig. 

Körpergewicht: 24,4 kg Körpergröße – BMI 15.4 normal

pO2  94 %   Puls 118

 

 

 

VC

l

FVC

l

FEV 1

l

FEV 1 / VC

%

PEF

l / s

MEF 50%

l / s

 

Soll

1.73

1.73

1.48

84.0

2.95

2.45

Messung

0.75       

0.39

0.38

50

0.45

0.30

% Soll

43

23

25

60

15

18 

stark obstruktiv

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                              Spirometrie bei Aufnahme am 18. 10. 2014 

 

Das atopische Ekzem erschien im Vergleich zu den obstruktiven Ventilationsstörungen nebensächlich. Wir behandelten deshalb die Hauterscheinungen zunächst zurückhaltend mit natürlichen Wirkstoffen, wie Schachtelhalm-Tee, Bolus alba, Olivenöl und weißer Vaseline. Als sich der vermutete Befall mit Staphylokokken bestätigt hatte, wechselten wir auf Kaliumpermanganat-Waschungen und Triclosanum. Zeitweise mit feucht-fetten Schlauchverbänden. Trotzdem kam es immer wieder zu nächtlichen Kratzattacken. Unter Verhaltenstherapie und Entspannung kratzte Carolina deutlich weniger. Wir konditionierten diese Bemühungen mit einer einmaligen topischen Behandlung mit Tacrolimus, worunter die Symptome innerhalb von 24 Stunden verschwanden und die nächtlichen Kratzattacken nahezu vollständig ausblieben.

Die anfängliche starke Obstruktion behandelten wir unter fortlaufender spirometrischer und pulsoxymetrischer Kontrolle mit 8 Tr. Salbuatmol und Sekretolyse. Als diese Behandlung nicht zu der gewünschten Erleichterung führte, ergänzten wir das Inhalat mit 10 Hüben Atrovent. Als auch das zu keiner ausreichenden Besserung beitrug, gaben wir 24 Stunden Flutide mite. Bereits am darauf folgenden Tag konnte das ICS abgesetzt werden. Die Inhalationen mit Salbutamol und Atrovent setzten wir zunächst in der bisherigen Dosierung fort. Am fünften Behandlungstag konnten wir die Sekretolyse beenden und die Behandlung auf Salbutamol einschränken. Unter weiterer fortlaufender spirometrischer Kontrolle reduzierten wir auch Salbutamol auf die Hälfte der therapeutischen Dosierung und setzten die Inhalationen bei anhaltend gutem Befund ganz ab.  Allerdings entwickelte sich meistens nach 48 Stunden wieder obstruktive Symptome. Dieser Verlauf sprach für ein Asthma bronchiale des Schweregrades 2, das eigentlich einen Versuch mit DNCG oder Monekulast, beziehungsweise einer mehrmonatige Behandlung mit einem ICS (Inhalatives Cortikosteroid) erforderte. Um das zu vermeiden, behandelten wir ergänzend komplextherapeutisch:

 

- Immuntherapie mit Bronchovaxom 

- Probiose

- Staphylococcus aureus Injeel s.c. 

- Klassisch homöopathisch mit Natrium sulfuricum   

- Verhaltenstherapie, entspannenden Methoden. 

- Atemtherapie

 

 

Die Eltern, insbesondere die Mutter, wurden in alle Maßnahmen einbezogen. Wir haben versucht deutlich zu machen, dass das ängstliche Vermeiden und symptomunterdrückende Behandlungen allein keine Lösung sein können. Das Mädchen sollte frühzeitig aktiv und eigenverantwortlich mit dem Management seiner gesundheitlichen Probleme vertraut gemacht werden. Die Diagnose „Asthma“ sollte von dem Kind nicht als schicksalhafte Bedrohung, sondern als Herausforderung betrachtet werden, ein Handycap mit eigener Kraft zu überwinden. Die hohe Compliance von Mutter und Kind mit diesem Konzept, sahen wir als wichtigste Vorrausetzung für die Nachhaltigkeit unserer Bemühungen. 

 

Während des darauf folgenden Jahres erhielten wir regelmäßig differenzierte Verlaufsbögen. Carolina zeigte außergewöhnliche Disziplin und Selbstständigkeit. Sie betrieb viel Sport, entwickelte sich völlig altersentsprechend und zeigte überdurchschnittliche Schulleistungen.Carolina ist heute völlig symptomfrei und benötigte keinerlei medikamentöse Therapie.  

 

Bei der Vorstellung nach einem Jahr sahen wir ein gesundes, völlig normal entwickeltes Mädchen. Die Lungenfunktion hatte sich gegenüber den Ausgangsbefunden vor einem Jahr, ohne Salbutamol und inhalative Kortikoide, deutlich gebessert.